Datum: 13. März 2012 | Autor: Daniel Lampart | Kategorien: Steuern, Finanzen | 1 Kommentar »
Dass die Unternehmenssteuerreform II keine KMU-Reform ist, hat mittlerweile auch der Bundesrat zugeben müssen. Grosskonzerne nutzen die neue Steuerlücke, um steuerfrei Dividenden auszuschütten. Grosse Unternehmen haben im Geschäftsjahr 2010 Dividenden im Umfang von über 10 Mrd. Fr. ausgeschüttet (ausfaelle_Kapitaleinlage_2010). Fürs Geschäftsjahr 2011 sind bereits Ausschüttungen von über 9 Mrd. Fr. bekannt (ausfaelle_Kapitaleinlage_2011).
Die Steuerausfälle sind immens. Nimmt man an, dass 10 bis 15 Prozent der Aktien in Privatbesitz sind und die Dividenden mit einem Satz von 35 Prozent besteuert werden, so ergeben sich Ausfälle bei der Einkommenssteuer von schätzungsweise über 400 Mio. Fr./Jahr. Dazu kommen noch Ausfälle bei der Verrechnungssteuer (nochmals ca. 350 Mio. Fr.). Wer profitiert, sind vermögende Personen. Über 80 Prozent der Aktien sind im Besitz von Personen mit einem Vermögen von 1 Million Franken und mehr. Sie sind die Hauptprofiteure der Unternehmenssteuerreform.
Dazu kommen Ausfälle aus der “Teilbesteuerung” der Dividenden: Aktionäre mit einem Anteil an einem Unternehmen von 10 Prozent oder mehr müssen Dividendeneinkünfte nur noch zu einem Teil (50 bis 60%; in gewissen Kantonen noch weniger) versteuern. Der Bund hat die Ausfälle aus der Teilbesteuerung im Abstimmungsbüchlein defensiv auf jährlich rund 400 Mio. Fr. geschätzt. Andere Schätzungen sprachen von rund 1 Mrd. Fr./Jahr. Die Teilbesteuerung führt auch zu Ausfällen bei der AHV/IV von rund 300 bis 400 Mio. Fr. pro Jahr (Schätzung SGB).
Weitere Ausfälle ergeben sich aus der Anrechnung der Gewinn- an die Kapitalsteuer (gemäss Abstimmungsbüchlein ca. 500 Mio. Fr./Jahr).
Die Unternehmenssteuerreform kostet die Schweiz somit über 2 Mrd. Fr./Jahr!
Der Bundesrat hat im März 2011 Lösungen angekündigt, mit denen er das Steuerschlupfloch des Kapitaleinlageprinzips – wenigstens teilweise – schliessen will. Geschehen ist noch nichts. Jährlich fliessen hohe dreistellige Millionenbeträge ab. Der Bundesrat schaut zu. Offenbar war seine Äusserung vor einem Jahr mehr für die Galerie. Die Normalverdienenden werden sich bei der nächsten Volksabstimmung daran erinnern …
Datum: 8. März 2012 | Autor: Daniel Lampart | Kategorien: Allgemein | Keine Kommentare »
Wir sind gesünder und leben länger. Diese sehr erfreuliche Tatsache wird uns von Demografie-Schwarzmalern immer wieder madig gemacht. Die höhere Lebenserwartung würde die Finanzen der Altersvorsorge belasten, behaupten diese.
Doch die Lebenserwartung fällt nicht vom Himmel. Sondern sie selber ist das Ergebnis eines höheren finanziellen Wohlstandes. Hat die Bevölkerung ein höheres Einkommen, kann sie sich ein besseres Gesundheitswesen leisten und sie lebt gesünder. Nimmt man Daten für die OECD, ist der Zusammenhang augenfällig. In Mexico leben 65-jährige Frauen noch rund 18 Jahre – das Pro-Kopf-BIP ist etwas über 15’000 $ (kaufkraftbereinigt). In der Schweiz liegt die mittlere Lebenserwartung dieser Frauen bei etwas über 22 Jahren. Ganz grob geschätzt kann man sagen, dass ein um 1 Prozent höheres Pro-Kopf-BIP zu einer um rund 0.15 Prozent höheren Lebenserwartung im Alter von 65 Jahren führt.
Besonders bemerkenswert ist der Fall der Lebenserwartung in Russland nach dem Zerfall der Sowjetunion. Zwischen 1990 und 1994 sank die Lebenserwartung der Männer von 63.8 auf 57.4 Jahre – diejenige der Frauen von 74.4 auf 71.2 Jahre. Erklärungen sind: Wirtschaftliche Unsicherheit, schlechtere Gesundheitsversorgung und Ernährung, Depressionen, Alkohol- und Tabakkonsum.
Wenn in Demografieszenarien mit höheren Lebenserwartungen gerechnet wird, dann muss konsequenterweise auch eine bessere Einkommenssituation angenommen werden. Die beiden gehen Hand in Hand. Die bessere Einkommenssituation bedeutet aber, dass mehr Geld für die Altersvorsorge vorhanden ist. Was mindestens einen Teil der Mehrkosten aus der demografischen Alterung wieder kompensiert.
Datum: 1. März 2012 | Autor: Daniel Lampart | Kategorien: Konjunktur, Teuerung | Keine Kommentare »
Im 4. Quartal war das Schweizer BIP mit einem Wachstum von 0.1 Prozent nicht mehr weit von einer Stagnation entfernt. Die Wertschöpfung in vielen Branchen wie Industrie, Handel, Gastronomie ist mehr oder weniger stark gesunken. Das ist plausibel und stimmt mit der Beschäftigungsstatistik überein. Diese zeigt einen Beschäftigungsrückgang im Gastgewerbe und im Detailhandel. Fragen gibt es in Bezug auf die Entwickung bei den Banken. Hier geht die Beschäftigung zurück – die Wertschöpfung soll gemäss Seco aber gestiegen sein. Die Beschäftigungszahlen dürften zuverlässiger sein.
Vergleicht man diese produktionsseitige BIP-Schätzung mit den verschiedenen Nachfragekomponenten (Konsum, Investitionen, Exporte), so sind diese alle stärker gewachsen als das BIP. Nachfrageseitig “schuld” am schwachen BIP-Wachstum sind die Lager der Unternehmen. Diese sind sehr stark gesunken (mehr als 2 BIP-Prozente!). Das ist nicht plausibel. Auf diese Lagerkomponente werden auch Differenzen zwischen der produktionsseitigen (Branchenwertschöpfung) und der nachfrageseitigen BIP-Schätzung gebucht. Möglicherweise werden die Importe unterschätzt. Gemäss Seco-Schätzung sollen diese gesunken sein, obwohl sich Einkäufe im Ausland wegen dem überbewerteten Franken lohnen. Das leuchtet nicht ein.
Der heute publizierte PMI zeigt auf für Februar eine leicht gesunkene Wirtschaftsleistung an (PMI-Wert unter 50). Auch die Beschäftigung ist gemäss diesem Indikator im Minus. In Europa sind die Aussichten nicht wirklich besser. Der PMI für die Eurozone ist unter 50. Derjenige für die deutsche Industrie ritzt die 50er-Marke. Wenn der Franken so stark überbewertet bleibt, sind das alles andere als gute Nachrichten für die Schweiz.
Die Meldungen über den Geschäftsgang in den Firmen in der Presse sind mit Vorsicht zu lesen. Denn die an der Börse kotierten Firmen, über die berichtet wird, haben grosse Teile ihrer Produktion im Ausland und meist nur ein relativ kleiner Teil in der Schweiz. Interessant z.B. der Bericht von Feintool: “In Europa erzielte System Parts gute Resultate. Lediglich den Schweizer Standort in Lyss haben rückläufige Lieferungen an die Textilindustrie und der nach wie vor schwache Euro beeinträchtigt” (S. 4).
Datum: 23. Februar 2012 | Autor: Daniel Lampart | Kategorien: Sozialversicherungen, Steuern, Finanzen | 1 Kommentar »
Die Eidg. Finanzverwaltung hat heute Langfristperspektiven bis ins Jahr 2060 für die öffentlichen Finanzen publiziert (s. momentan nur auf Radio DRS). Prognosen auf 50 Jahre hinaus sind Unsinn. Sie haben keine Aussagekraft. Die Finanzverwaltung widerlegt sich gleich selber. Denn gegenüber den noch viel düstereren Szenarien aus dem Jahr 2008 hat sich der Schuldenanstieg in den aktuellen Szenarien halbiert. Diese extremen Korrekturen in nur 4 Jahren zeigen die riesige Prognoseunsicherheit.
Besonders interessant sind jedoch die EFV-Perspektiven für die nächsten 10 bis 20 Jahre. Für diesen Zeitraum können noch einigermassen zuverlässige Aussagen gemacht werden:
Erstens: Die Bruttoschuldenquote der öffentlichen Haushalte geht im Vergleich zu heute sogar zurück.
Zweitens: Die Sozialwerke AHV/IV/ALV sind finanziert.
Drittens: Die (Langfrist-)Zinsen auf Bundesobligationen steigen auf 3.5 Prozent. Damit stellt das Finanzdepartement die pessimistischen Finanzperspektiven für die 2. Säule des Departementes des Innern EDI in Frage. Für eine durchschnittliche Pensionskasse bedeutet das nämlich eine Rendite von ungefähr 4.8 bis 4.9 Prozent, da sie nicht nur in Bundesobligationen, sondern auch in Fremdwährungsobligationen, Aktien und Immobilien investiert, die eine etwas höhere Rendite bringen. Damit wäre der heutige Mindest-Umwandlungssatz von 6.8 Prozent finanziert. Eine Senkung – wie vom EDI verlangt – wäre nicht nötig.
Fazit: Der Bericht des EFD gibt für den sinnvollen Prognose-Zeitraum von 10, 20 Jahren Entwarnung in Bezug auf Staatsfinanzen und Sozialversicherungen.
Datum: 21. Februar 2012 | Autor: Daniel Lampart | Kategorien: Bankenkrise, Konjunktur, Teuerung | Keine Kommentare »
Ben Bernanke, der Präsident der US-Zentralbank, hat in seiner Professorenzeit viel zu Geldpolitik in Rezessionen oder Stagnationen bei sehr tiefer Inflation geforscht. Analytisch hat er somit beste Voraussetzungen die gegenwärtige Geldpolitik möglichst optimal zu gestalten. Doch bemerkenswerterweise gibt es einen grossen Unterschied zwischen seinen früheren Analysen und der Geldpolitik des US-Fed. Das weist der profilierte Makroökonom Laurence M. Ball in einem aktuellen Paper nach.
In Phasen wirtschaftlicher Stagation oder Rezession, in welcher die Kurzfristzinsen nicht mehr weiter gesenkt werden konnten, weil sie bereits nahe Null lagen, empfahl Bernanke zu Beginn der 2000er Jahre als Uni-Professor u.a. die Ankündigung eines Inflationsziels von 3 bis 4 Prozent, die Abwertung der Währung oder die direkte Nachfragestimulierung beispielsweise über geldpolitisch finanzierte Steuersenkungen. Diese Vorschläge entwickelte er namentlich im Rahmen einer Analyse der japanischen Geldpolitik dieser Zeit. Japan hatte bereits damals das Problem, das die Wirtschaft kaum mehr wuchs und die Inflationsentwicklung sehr tief war bzw. deflationäre Tendenzen zu beobachten waren.
Ab 2003/2004 nahm Bernanke von einem Teil dieser Vorschläge Abstand. Als neuer Fed-Gouverneur schloss er sich der damaligen Mehrheitsmeinung im Federal Open Market Committe (FOMC) an. Diese empfahl in solchen Situationen u.a. die Ankündigung von tiefen Kurzfristzinsen über einen längeren Zeitraum, den Kauf von längerfristigen Bonds (das heutige “quantiative easing”) u.a. Die früheren Empfehlungen von Bernanke wurden hingegen abgelehnt. Ball versucht die Frage zu beantworten, warum Bernanke seine Meinung geändert hat.
Was die Wechselkurs-Abwertungen betrifft, dürfte die Wahl als Fed-Gouverneur relevant gewesen sein. In den USA ist das Finanzministerium für die Wechselkurspolitik zuständig. Im Sinne einer institutionellen Arbeitsteilung hält sich das Fed zurück. Bei der Abkehr von den übrigen beiden Vorschlägen (höheres Inflationsziel, geldfinanzierter Nachfrageimpuls) dürfte gemäss Ball das Gruppendenken (oder der Gruppenzwang) im FOMC eine wichtige Rolle gespielt haben. Anders könne der Meinungsumschwung nicht erklärt werden. Offene Diskussionen und unterschiedliche Meinungen sind dort offenbar wenig gefragt.
Unabhängig davon, was die Gründe im Detail gewesen sind: Was das US-Fed geldpolitisch macht oder sagt, ist auch für andere Zentralbanken von grosser Bedeutung. In Anbetracht der Schlussfolgerungen von Ball wäre es gut, wenn die Diskussion über die Geldpolitik unter den heutigen Bedingungen offener geführt würde. Der geldpolitische Handlungsspielraum dürfte grösser sein.
Datum: 9. Februar 2012 | Autor: Daniel Lampart | Kategorien: Steuern, Finanzen | Keine Kommentare »
Teile der Schweizer Politik und der Öffentlichkeit fühlen sich als Opfer, wenn andere Länder oder die OECD von der Schweiz verlangen, sich bei den Steuern fair zu verhalten. Nachdem die Schweiz vor der Finanzkrise vor allem wegen ihren Steuerprivilegien für Unternehmen kritisiert wurde, fokussiert sich die Kritik seither wieder auf den “Klassiker” – die Steuerhinterziehung ausländischer Kunden über Schweizer Banken.
Was dabei aus Schweizer Sicht kaum beachtet wird: Auch die Schweiz ist ein Opfer von ausländischen Steuerparadiese. In welchem Ausmass und in welcher Form das der Fall ist, wurde bisher aber noch kaum analysiert. Als Hinweis hier das Beispiel IKEA:
Die einzelnen IKEA-Filialen müssen 3 Prozent ihres Umsatzes als “Lizenzgebühr” an die Interikea Holding in Luxemburg abführen (NZZ-Artikel). Von dort geht das Geld weiter an eine Stiftung in Liechtenstein. Diese Lizenzgebühr ist ein Betriebsaufwand und somit in der Schweiz nicht steuerpflichtig. Gemäss dem deutschen Ökonomen Jarass sind die IKEA-Filialen zu einem grossen Teil über andere IKEA-Unternehmensteile fremdfinanziert, so dass nach Abzug der Lizenzgebühren und der Fremdkapitalzinsen noch ein Umsatzprozent steuerbarer Gewinn bleiben würde ( Dokument Jarass, S. 44). In der Schweiz macht IKEA einen jährlichen Umsatz von rund 1 Mrd. Fr. (Link). Bei einer Umsatzrendite von rund 10 Prozent ergäbe das einen Gewinn von ca. 100 Mio. Fr. Durch die Transfers ins Ausland dürften die Filialen aber nur ein Bruchteil davon in der Schweiz versteuern. Obwohl die Schweiz für die Filialen öffentliche Infrastruktur (Strassen u.a.) zur Verfügung stellt.
Dass die Schweiz Opfer ausländischer Steuerparadiese ist, lässt sich auch anhand der Schweizer Statistik über die Direktinvestitionen vermuten. So halten Schweizer Investoren rund 50 Mrd. Fr. an Investitionen in der Schweiz über ausländische Mittelsfirmen (Link, S. 16).
Wenn die Schweiz sich entschliessen würde, an den internationalen Aktivitäten für eine faire Besteuerung zu partizipieren, könnten solche Verschiebungen von Gewinnen zulasten der Schweiz eingedämmt werden. Das sollte sich das Land ernsthaft überlegen.
Datum: 26. Januar 2012 | Autor: Daniel Lampart | Kategorien: Arbeit, Steuern, Finanzen | 1 Kommentar »
In den letzten Jahren ist fast weltweit eine Lohn- und Einkommensschere aufgegangen. Die Schweiz ist hier bekanntlich keine Ausnahme.Erfreulich ist, dass sich die Politik mehr und mehr damit zu beschäftigen beginnt. In den USA war die Ungleichheit sogar Teil der präsidialen Rede zum State of the Union. Obama zielt insbesondere auf eine gerechtere Besteuerung.
Die OECD hat nun eine Reihe von Analysen zur Einkommensungleichheit vorgelegt. Interessant sind vor allem die Untersuchungen über die Ursachen. Der starke Anstieg der hohen und höchsten Löhne ist zu einem grossen Teil die Folge der Boni. Bei den unteren und mittleren Einkommen spielen weitere Faktoren eine Rolle (Link). Wer eine Temporärstelle oder einen befristeten Arbeitsvertrag hat, verdient weniger als Beschäftigte mit unbefristeten Verträgen. Positiv ist der gewerkschaftliche Organisationsgrad. Je höher der Mitgliederanteil der Gewerkschaften ist, desto ausgeglichener ist die Lohnverteilung.
Leider hat sich die Sensibilität der OECD für Verteilungsfragen noch nicht im Länderbericht zur Schweiz niedergeschlagen. Die OECD schlägt einen Ersatz der Einkommenssteuern durch die Mehrwertsteuer vor! Die Begründung: Mehr Arbeitsplätze. “Würde die Besteuerung des Privateinkommens durch die Besteuerung von Waren und Dienstleistungen ersetzt, würde sich dies wachstumsfördernd auswirken.”
Doch der Vorschlag ist Unsinn. Erstens müsste die MWSt auf über 25 Prozent erhöht werden. Die tiefen und mittleren Einkommen müssten sehr viel mehr Steuern zahlen. Die hohen hingegen viel weniger. Dazu kommt, dass bei solchen MWSt-Sätzen die Schwarzarbeit steigen würde. Inwiefern es deshalb mehr Arbeitsplätze bzw. Wirtschaftswachstum geben soll, bleibt das Geheimnis der OECD. Denn die hohen Einkommen haben heute schon 100%-Stellen. Bei den tiefen und mittleren Einkommen arbeiten zwar viele unfreiwillig Teilzeit oder sind ganz arbeitslos. Doch wenn diesen noch mehr Geld abgeknöpft wird, läuft es wirtschaftlich eher noch schlechter als heute.
Eine Begründung der OECD in einer anderen Publikation ist, dass die Beschäftigten – wenn es z.B. zu hohe Mindestlöhne gäbe – einen Teil der Einkommenssteuer-Belastung auf die Unternehmen überwälzen würden. Damit seien die Lohnkosten zu hoch. Ohne die Einkommenssteuern würden die Unternehmen dann mehr Leute einstellen. Doch diese Behauptung ist mehr abenteuerlich. Doch selbst wenn sie zutreffen sollte, gilt das sicher nicht für die Schweiz. Denn hierzulande gibt es keinen generellen Mindestlohn – geschweigen denn einen “zu hohen”.
Fazit: Auf solch unsinnige externe Beratung kann die Schweiz gerne verzichten. Bitte beim nächsten Besuch bessere Vorschläge machen bzw. das Land ev. etwas genauer anschauen.
Datum: 17. Januar 2012 | Autor: Daniel Lampart | Kategorien: Konjunktur, Teuerung | Keine Kommentare »
Gemäss einem Bericht der Financial times denkt Ben Bernanke über die Einführung eines expliziten Inflationsziels in der US-Geldpolitik nach. Damit würde das Federalreserve der EZB bzw. der SNB folgen.
In den Wirtschaftswissenschaften geht man von einem Zusammenhang zwischen Inflation und Arbeitslosigkeit aus (Phillips-Kurve). Sinkt die Arbeitslosigkeit bzw. läuft die Konjunktur besser, so steigt das Risiko, dass die Inflation steigt. Bei guter Konjunktur können die Firmen eher höhere Preise durchsetzen und die Chancen für Lohnerhöhungen steigen. Weil die Geldpolitik über die Zinsen die Inflation nicht direkt beeinflussen kann, muss sie die Inflation indirekt über die Konjunktur steuern. Um die Inflation zu senken, muss sie über die Zinserhöhung eine höhere Arbeitslosigkeit in Kauf nehmen.
In der wirtschaftswissenschaftlichen Forschung der letzten 10 Jahre wurde festgestellt, dass sich der Zusammenhang zwischen Inflation und Arbeitslosigkeit verändert hat. Um die Inflation zu senken, muss neu in zahlreichen Ländern ein stärkerer Anstieg der Arbeitslosigkeit in Kauf genommen werden. Die Phillips-Kurve ist flacher geworden.Wenn eine Zentralbank sich auf Preisstabilität konzentriert, nimmt sie in diesem Umfeld zwangsläufig stärkere Schwankungen der Arbeitslosigkeit in Kauf, was wirtschaftlich unerwünscht ist.
Woher diese Veränderung kommt, ist kontrovers. Das Argument, dass die Globalisierung über mehr internationale Konkurrenz den Preisauftrieb verhindert, dürfte tendenziell überschätzt werden, wie ökonometrische Untersuchungen zeigen.
Ein anderes Argument ist, dass die Zentralbanken die Preisstabilität in der Wirtschaft glaubwürdig verankern konnten, so dass Firmen, Arbeitnehmer und Privathaushalte auf Preis- und Lohnerhöhungen eher verzichten würden. Dieses Argument hat ebenfalls Schwächen. Warum soll eine einzelne Firma auf Preiserhöhungen verzichten, wenn die Kunden höhere Preise zahlen würden? Wenn sie die höhere Zahlungsbereitschaft nicht abschöpft, tut es die Konkurrenz. Plausibel ist einzig, dass wegen der über längere Zeit tiefen Inflation Teuerungsausgleichstbestimmungen aus Verträgen verschwunden sind, was eine mögliche Inflationsverstärkung verhindert.
Allerdings kann diese flachere Phillips-Kurve auch eine Folge der tiefen Inflation selber sein. Generell sinken Nominallöhne kaum, weil Lohnsenkungen bei bestehenden Arbeitsverhältnissen Änderungskündigungen notwendig machen würden (nominelle Rigidität). Bei nur schwach wachsenden oder sogar stagnierenden Löhnen hat deshalb ein Anstieg der Arbeitslosigkeit kurzfristig nur geringe Auswirkungen auf Löhne und Teuerung.
Für die Geldpolitik während der gegenwärtigen Krise hat sich die tiefe Inflation vor Ausbruch der Krise als Erschwernis herausgestellt. Weil die Zinsen wegen der tiefen Teuerung tief waren, konnten sie nicht stark gesenkt werden. Um die Geldpolitik weiter zu lockern, waren zusätzliche Massnahmen (quantitative Easing) notwendig. Diese haben die Bilanzen der Zentralbanken stark aufgebläht. Der IWF-Chefökonom Blanchard hat denn auch 2010 die Frage aufgeworfen, ob die Inflationsziele der Zentralbanken nicht angehoben werden müssten.
Datum: 12. Januar 2012 | Autor: Daniel Lampart | Kategorien: Konjunktur, Teuerung, Preise | 1 Kommentar »
Der überbewertete Franken wird mehr und mehr in den Schweizer Preisen sichtbar. Im Dezember sind die Konsumentenpreise gegenüber dem Vorjahr um 0.7 Prozent gesunken. Klammert man noch die Ölpreise aus, so resultiert ein Preisrückgang von 1.2 Prozent, wobei die Teuerung aufgrund einer Neuerhebung der Kleiderpreise etwas unterschätzt wird (seit 2011 neu monatliche Erhebung der Kleiderpreise, so dass der Dezember-Ausverkauf 2011 mit der Kollektion vom Oktober 2010 verglichen wird). Die Importpreise gehen um über 3 Prozent zurück, obwohl die importierten Ölprodukte teurer werden.
Die vor noch nicht langer Zeit veröffentlichte Studie des Seco, dass die „Preisvorteile“ nicht weitergegeben werden sollen, ist so gesehen etwas eigenartig. Gemäss Seco seien beispielsweise die Autopreise nicht gesunken. Ein anderes Bild ergibt der Landesindex der Konsumentenpreise. Hier gingen die Neuwagenpreise im Dezember um mehr als 12 Prozent zurück. Inwiefern dabei „Euro-Rabatte“ etc. berücksichtigt wurden, ist unklar. Für das kommende Jahr ist mit sinkenden Preisen in der Schweiz zu rechnen (SNB-Prognose: -0.3 Prozent; SGB: -0.4 Prozent).
Makroökonomisch gibt es prima vista zahlreiche Vorteile, wenn ausländische Hersteller und ihre Importeure Wechselkursvorteile auf Produkten, die in der Schweiz nicht hergestellt werden, weitergeben. Beispielsweise stärkt die Weitergabe der Wechselkursgewinne auf Autos die inländische Kaufkraft.
Allerdings sind mit solchen Preissenkungen – wenn sich aufgrund einer stark überbewerteten Währung geschehen – auch Nachteile verbunden. Beispielsweise wenn sie Produkte betreffen, die auch in der Schweiz hergestellt werden. Schweizer Produzenten wären dann nur wegen der ausserordentlichen Währungssituation nicht mehr konkurrenzfähig und müssten schlimmstenfalls schliessen.
Damit würde die Deflationsgefahr grösser. Deflation ist makroökonomisch etwas ganz giftiges. Dass die KonsumentInnen in einer solchen Situation einen Teil ihres Konsums aufschieben, weil sie auf weitere Preissenkungen warten, ist noch das geringere Problem. Die Hauptschwierigkeit ist die, dass die Kredite von Unternehmen und Privaten aufgrund des allgemeinen Preiszerfalls real schwerer werden. Wenn einen Unternehmung einen Kredit aufgenommen hat, um eine Maschine zu kaufen und die Preise bzw. Margen auf den damit hergestellten Produkten aber sinken, so wird die Gefahr immer grösser, dass sie die Maschine nicht mehr amortisieren kann. Die Banken verlangen dann mehr Sicherheiten oder eine Erhöhung des Eigenkapitals. Das ist auch bei Privathaushalten mit Hypotheken der Fall, wenn die Häuserpreise sinken. Konkurse und mit ihnen ein weiterer Preiszerfall ist die Folge.
Makroökonomisch führt daher kein Weg an einer Korrektur des überbewerteten Frankens vorbei.
Datum: 20. Dezember 2011 | Autor: Daniel Lampart | Kategorien: Konjunktur, Teuerung, Preise | Keine Kommentare »
Zur Bestimmung des “fairen” Wechselkurses gibt es verschiedene Methoden. Eine Methode ist die so genannte Kaufkraftparität. Diese besagt, dass ein Produkt in verschiedenen Ländern gleich viel kostet, wenn die Preise um die Wechselkursunterschiede korrigiert werden. Heute hat das Bundesamt für Statistik einen internationalen Preisvergleich veröffentlicht. Gemäss diesem Preisvergleich wären die Produkte des Privatkonsums in der Schweiz (in Franken) 2.08 mal teurer als in der EU (in Euro).
In Bezug auf den Franken-Euro-Kurs hiesse das, dass die Konsumgüter in der Schweiz und in der EU dann gleich viel kosten, der Kurs bei 2:1 liegt. Also wenn für einen Euro zwei Franken bezahlt werden müssen. Ähnliche Resultate ergeben die von der OECD geschätzten Kaufkraftparitäten. Diese ergeben einen Franken-Euro-Kurs von rund 1.80 Fr./Euro.
Was diese Vergleiche nicht berücksichtigen, ist die Handelbarkeit der Konsumgüter. Eine Wohnung in Zürich lässt sich nicht aus Zürich verschieben. Das gilt über weite Strecken auch für persönliche Dienstleistungen. Bei den Landwirtschaftsprodukten gibt es Zollschranken. Zudem gibt es zahlreiche Bereiche wie das Gesundheitswesen, dessen Preise reguliert sind. Die internationalen Preisvergleiche zeigen, dass die Schweiz vor allem in diesen Bereichen höhere Preise als das Ausland hat.
Wählt man nur die handelbaren Produkte aus, so ergeben sich Verhältnisse zwischen 1.4:1 bis 1.6:1. Erwähnenswert sind Foto und IT-Geräte (1.417:1); Möbel (1.406:1); Elektrotechnik, Feinmechanik, Optik (1.644:1) oder Fahrzeugbau (1.52:1). So gesehen würde der “faire” Franken-Euro-Kurs zwischen 1.4 und 1.65 Franken/Euro liegen. Auch das wäre immer noch deutlich über dem aktuellen Kurs von rund 1.22 Franken/Euro.